Aktuell

  Ausstellung

  Begleitbuch

  DVD

  Aus erster Hand

  Führungen

  Begleitprogramm

  Kinder

  Presse

  Links

  Tagung

  Sponsoren

 


Newsletter

 

 

 

 

 

Lili Fischer und Georg Jappe: Aus erster Hand

Schriftbilder, Partituren, Kalligramme


Diese Verbindung der beiden Ausstellungen ist nicht zufällig. Noch vor hundert Jahren gehörte es zum guten Ton, eine schöne Handschrift zu haben (ja viele lebten in Kontoren davon). Dies war der Höhepunkt einer Entwicklung, die mit Urkunden, heiligen Schriften und Miniaturen in ei-nem schriftlosen Umfeld mühsam begann und in karolingischer Zeit ihre erste Ausprägung fand. Denn erst mit der Christianisierung und den ersten Klostergründungen im 9. Jahrhundert kam die Kunst des Schreibens auch in das altsächsische Sprachgebiet in Westfalen und im Münster-land. Bis dahin war Altsächsisch eine gesprochene Sprache und kannte keine Schriftlichkeit. Diesem tiefgreifenden Kulturwandel widmet sich die Ausstellung „805: Liudger wird Bischof“.

Heute ist das Schreiben, als Bild und Prozess, zwar verdrängt worden zugunsten mannigfacher Kommunikations-Systeme. Aber noch immer gilt nur die eigenhändige Unterschrift als authentisch. In ihrer Ausstellung „Aus erster Hand – Schriftbilder, Partituren, Kaligramme“ zeigen Lili Fischer und Georg Jappe den autonomen Bildcharakter von Schriftzug und Schriftfluss, ja überhaupt die Handschrift als künstlerischen Ausgangspunkt aller weiteren Prozesse.

Die von Lili Fischer, Professorin an der Kunstakademie Münster, gezeigten rund 30 Arbeiten stammen aus den Jahren 1980 bis 2005 und bilden so auch eine Retrospektive ihres zeichnerischen Schaffens. Sie will zwischen Natur und Mensch vermitteln, die Betrachter zu eigenem „Handeln, Entdecken und Erleben“ animieren. Ihr Werk „Grazienkongress“ etwa ist eine Dauerinstallation im Bundestag. 1985 hat sie den Rosengarten für die „Kinder vom Bullenhuser Damm“ (Hamburg) gestaltet. Dort unternahmen NS-Ärzte grausame Versuche an Kindern, die dann kurz vor Kriegsende ermordet wurden.

Der Poet, Essayist und Kunstkritiker Georg Jappe war Professor für Ästhetik an der Kunstakademie Hamburg. Sein Werk dreht sich um alltägliche Schreibtischarbeit im konkreten Sinne. „Schrift als Zeitspur und Schwingung“, wie er selbst es ausdrückt. Die unterschiedlichen „Beschreibstoffe“ und Schreibgeräte sind ebenso Mittel des künstlerischen Prozesses wie die Schrift selbst. Im Spannungsverhältnis von Textur des Papiers und lesbarem Inhalt sucht Jappe seine Kunst.

zurueck
 



Georg Jappe: Nach der Kehlkopfoperation, Ausschnitt mit Ausdrücken zu „Hals“ (1996)