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Begleitbuch


Zur Ausstellung ist im Verlag Philipp von Zabern, Mainz, ein reich bebildertes umfangreiches Begleitbuch mit Aufsätzen namhafter Autorinnen und Autoren zur Christianisierung Westfalens, zur Person des Missionars, Bischofs und Heiligen Liudger sowie zur Entwicklung des Bischofssitzes Münster bis um 1200 erschienen.

Finanziert durch das Land Nordrhein-Westfalen und das Bistum Münster sowie mit finanzieller Unterstützung der Kunststiftung NRW legt das Stadtmuseum Münster in Kooperation mit dem Westfälischen Museum für Archäologie damit einen Band vor, der in Zukunft ein Handbuch zur Frühgeschichte des Christentums im nordwestdeutschen Raum werden könnte.

Neueste Forschungsergebnisse zur Frühgeschichte des Christentums in Westfalen
Interdisziplinär angelegt, beleuchten darin Historiker, Archäologen, Sprachwissenschaftler und Kunsthistoriker in 24 Beiträgen alle Facetten des Themas. Ergänzt werden die Beiträge durch Exkurse, die der Vertiefung von Einzelaspekten dienen, sowie durch 45 ausführliche Beiträge zu einzelnen, wichtigen Exponaten. Darunter sind wertvolle Leihgaben aus internationalen Sammlungen, aber auch archäologische Funde, die in diesem Band erstmals publiziert werden.

Hervorzuheben sind darüber hinaus mehrere Karten, insbesondere zur Frühgeschichte der Stadt Münster, die erstmals in diesem Band veröffentlicht werden. So basiert etwa eine Karte von Münster, in die die mutmaßlichen Standorte der Kirchen um das Jahr 800 eingetragen sind, auf den neuesten Erkenntnissen aus dem „Domburg-Projekt“ – dem Forschungsprojekt zur Aufarbeitung älterer Grabungen im Bereich der münsterischen Domburg. Auch die Zusammenfassung der naturräumlichen Voraussetzungen für die Anlage einer Siedlung sowie der Überblick über die vorausgegangenen Siedlungsspuren etwa aus der Steinzeit, werden an dieser Stelle zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt. Neueste Forschungen zur Frühgeschichte der Stadt Münster legt darüber hinaus Dr. Aurelia Dickers, Städtische Denkmalbehörde, in einem Zwischenbericht zur jüngsten Grabung im Bereich der Kirche St. Marien-Überwasser vor.

Kulturwandel in Westfalen
„Vom pagus Saxoniae zur parochia Mimigernaford“ – unter diesem Titel beschäftigen sich mehrere Autorinnen und Autoren mit dem Kulturwandel im Westfalen des 7. bis 10. Jahrhunderts. Ausgelöst durch die Christianisierung im 8. und 9. Jahrhundert veränderten sich alle Lebensbereiche der Menschen – Glauben, Lebens- und Wirtschaftsweise, Sozial- und Machtgefüge – allmählich, aber grundlegend.
Der Leiter der Außenstelle Münster, Dr. Christoph Grünewald, Amt für Bodendenkmalpflege, gibt beispielsweise einen Überblick über Siedlungen und Bestattungsplätze des Münsterlandes zur Zeit Liudgers. So sind zwar im Siedlungsbereich infolge der Christianisierung zunächst nur wenige Veränderungen festzustellen; die Bestattungssitten aber zeigen den Kulturwandel recht deutlich an. So werden z.B. im 9. Jahrhundert den christlichen Toten kaum noch Beigaben mit ins Grab gegeben, dafür findet man zunehmend Symbole des christlichen Glaubens etwa in Form von Kreuz- oder Taubenfibeln.
Professor Dr. Heinrich Tiefenbach, Universität Regensburg, zeigt den Wandel auf einem anderen Gebiet auf: der Sprache. Das Altsächsische war eine gesprochene Sprache und kannte ursprünglich keine Schriftlichkeit. Erst mit der Christianisierung und den ersten Klostergründungen kamen Mönche in das altsächsische Sprachgebiet, die die Kunst des Schreibens in den klösterlichen Schreibstuben (Skriptorien) betrieben. Geschrieben wurde zunächst fast immer in lateinischer Sprache. Bei der Wiedergabe der Namen von Personen und Siedlungen war jedoch die volkssprachige Form unabdingbar. Der Beitrag bespricht die wesentlichen Überlieferungen des Altsächsischen, insbesondere für die Westfalen wichtige Quellen.

Liudger in neuem Licht – vielfältige Aspekte seines Wirkens werden beleuchtet
„Liudgerus peregrinus – Spuren eines Heiligen zwischen York, Rom und Münster“ – im zweiten Teil des Bandes widmen sich sechs Beiträge dem Missionar, Bischof und späteren Heiligen Liudger. Ausführlich zeichnet etwa der bekannte Kirchenhistoriker Professor Dr. Arnold Angenendt den Lebensweg Liudgers nach. Der Leser erhält einen intensiven Einblick in die Quellen, insbesondere die Lebensbeschreibungen Liudgers, und die von Liudger selbst verfasste Vita seines Lehrers Gregor von Utrecht. Denn nur aus diesen Quellen lassen sich so ungewöhnlich viele Details aus dem Leben des Heiligen mit seinen vielfältigen Reisen in ganz Europa erschließen. Themen sind daneben etwa die Praxis der Mission, die Rolle des Klosters Werden und die Verehrung des Heiligen. Das zentrale Thema der Ausstellung, die Bischofsweihe Liudgers, beleuchtet eingehend Dr. Nikolaus Gussone. Schließlich werden unter Berücksichtigung neuer Forschungen aus dem angelsächsischen Raum auch ganz neue Erkenntnisse zur Beziehung Liudgers nach England von Dr. Jan Gerchow, Ruhrlandmuseum Essen, zur Diskussion gestellt.

Die Stadtgeschichte auf den Kopf gestellt – Mimigernaford im Licht der neuen Forschungen
Im dritten Teil des Begleitbuchs findet die frühe Geschichte des Bischofssitzes, der Stadt Münster, besondere Beachtung: „Die Entstehung der Stadt: Mimigernaford – Monasterium“. In sieben Beiträgen kommen hier die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des sogenannten Domburg-Projekts zu Wort, die seit 1999 mit der systematischen Aufarbeitung älterer Grabungen im Bereich der münsterischen Domburg betraut waren. Das Projekt hat Erkenntnisse erbracht, die zu einer grundlegend neuen Rekonstruktion der Anfänge der Stadt Münster führen. Der Band gibt einen aktuellen Überblick über den derzeitigen Wissensstand zur Entstehung der Kloster- und Kirchengebäude, der profanen Bebauung sowie den Bestattungen im Bereich des Domplatzes, noch bevor im Laufe des Jahres die umfangreichen Publikationen dieses Forschungsvorhabens erscheinen.
Dr. Martin Kroker, Wissenschaftler im Museum in der Kaiserpfalz, Paderborn, beleuchtet etwa die Frage der profanen Bebauung der Domburg. Insbesondere zeigt er auf, dass frühere Überlegungen zu einer sächsischen Siedlung des 7./8. Jahrhunderts auf dem Domhügel nicht bestätigt werden können. Die zahlreichen Grubenhäuser, die im Bereich des Domplatzes gefunden wurden, gehören erst in das 9. und v.a. das 10. Jahrhundert. Nach den Ergebnissen neuer Datierungsmethoden dürfte darüber hinaus auch die gesamte Befestigung der Domburg erst um 900 errichtet worden sein.
Diese Ergebnisse werden gestützt durch einen Beitrag von Dr. Bernd Thier, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Stadtmuseum Münster, der eingehend das Fundspektrum im Bereich der Domburg beleuchtet. Er zeichnet damit zum einen ein Bild vom Leben in Mimigernaford in der Zeit vom 9. bis zum 12. Jahrhundert. Zum anderen leistet er durch die exakte zeitliche Einordnung der 40000 bis 50000 Einzelfunde – vor allem Keramikfragmente und Tierknochen – einen grundlegenden Beitrag zur Datierung. Als ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Keramik erschließt er darüber hinaus aus dem Vorhandensein besonderer Keramikarten die Bedeutung des Ortes Mimigernaford/Münster als Bischofssitz. Der Beitrag beantwortet somit die spannende Frage, ob man die nur etwa 14 bis 17 Jahre dauernde Anwesenheit Liudgers in Mimigernaford (zwischen 792/795 und 809) mit archäologischen Mitteln erfassen kann.

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Karolingischer Kalender, 9. Jh., Erwähnung der Bischofsweihe Liudgers am 30. März 805, Biblioteca Ambrosiana Mailand



Sogenannter Stab des hl. Reginbald, Elfenbein, 11.–12. Jh, spätere Ergänzungen an Schnecke und Stab – Bischofsstäbe aus der Zeit um 800 sind nicht überliefert. Katholische Kirchenstiftung St. Ulrich und Afra, Augsburg, Foto: Alberto Luisa



Einsiedler Pilgerführer (Codex Einsidlensis), Fulda, um 800 – Es handelt sich um einen „geschriebenen Romplan“, der dem Romunkundigen eine Vorstellung von der Stadt vermitteln sollte. Benediktinerabtei Einsiedeln



Liturgisch genutzter Kamm, Elfenbein, Köln(?), um 1000, Domschatzkammer und Diözesanmuseum Osnabrück, Foto: Strenger